Die Geschichte des Brautkleids

Die ersten Brautkleider waren bunt

Ursprünglich heirateten die Verliebten schon im alten Rom in bunten und leuchtenden Farben. Die Bräute trugen vor über 2000 Jahren an ihrem großen Tag eine lange Tunika und einen Holzgürtel mit Herkulesknoten um die Taille -ob das bequem war? Darüber trug die Braut im alten Rom eine leuchtend gelbe Stola und mit Schleier sowie farbig passende Sandalen. Im Mittelalter dominierten bunte Farben, aber allerdings nur in den oberen Gesellschaftsschichten. Hochzeitskleider waren damals meist rot, grün oder blau und wurden in einem mantelartigen Schnitt aus hochwertigsten Stoffen wie Samt, Seide oder Gold- und Silberbrokat gefertigt. Selbstverständlich durften dabei auch aufwendige Stickereien und aufgebrachte Halbedelsteine nicht fehlen, um den Stand und den Reichtum der Braut deutlich zu machen. 

Von Schwarz zu Weiß: Die Trendfarben im Wandel der Zeit

Bürgerliche und Bauern heirateten ursprünglich in ihren “Sonntagskleidern” oder in regionaler Tracht, da sie sich spezielle Gewänder für den Hochzeitstag nicht leisten konnten. Diese Kleider waren seinerzeit meist schwarz – ganz im Gegensatz zur heutigen Tradition.  

Allerdings waren die bürgerlichen Bräute letztendlich nicht die einzigen, die in einem schwarzen Gewand heirateten: Im 16. Jahrhundert wurden durch den Einfluss des streng katholischen spanischen Königshauses schwarze Brautkleider auch für die oberen Gesellschaftsschichten tragbar. 

 

Bereits im 17. Jahrhundert heirateten die Bräute vereinzelt in weißen Gewändern, was bis dato allerdings noch eher die Ausnahme war. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Weiß schließlich zur Trendfarbe. Anfangs bei den Königshäusern über die oberen Gesellschaftsschichten, über den Mittelstand bis hin zu den Bauern und Bürgerlichen. Eines der ersten Brautkleider der Geschichte, das tatsächlich heute noch erhalten ist, ist das Kleid von Prinzessin Victoria, die ihrem Gatten 1840 in der royalen St. James Kapelle in London das Ja-Wort gab. Man sagt, dass Victoria weiße Hochzeitskleider populär gemacht hat – da die Kleider bis dahin üblicherweise in bunten Farben warten. Ihr Kleid gehört heute zur Sammlung des Royal Collection Trust.

Der Grund für die Beliebtheit der weißen Hochzeitskleider war die symbolische Bedeutung der Farbe: Weiß steht für Reinheit und Unschuld, die wünschenswerten Eigenschaften einer Ehefrau des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit war das Brautkleid durch ein enges Oberteil und eine schmale Taille mit Korsett definiert. Am besten sieht man dies am eindrucksvollen Hochzeitskleid der Kaiserin Sissi, die am 24. April 1854 in einem imposanten Traum aus Weiß vor den Traualtar trat.

Auch heute heiratet man immer noch oft in weiß

Bis heute hat der Trend nicht nachgelassen: Nach wie vor heiraten die Bräute in Weiß. Lediglich durch ihren Schnitt unterscheiden sich die Kleider seit Beginn des 20. Jahrhunderts voneinander. In den 20er Jahren heirateten Frauen in Brautkleidern, die vom Charleston-Look geprägt wurden. Die Kleider zeichneten sich durch schmale, gradlinige und androgyne Schnitte aus. Die teilweise geschlitzten Kleider dieser Zeit waren im Gegensatz zum bisherigen Trend besonders kurz, reichten teilweise nur noch bis zum Knie und zeigten dementsprechend viel Bein. Nach dem Kriegsende wandelte sich dieser Trend: In den 40er und 50er Jahren waren züchtigere Formen bei den langen und weiten Kleidern angesagt. Seinerzeit wurde das modische Bild auch in Bezug auf die Brautmode durch ausladende Petticoats mit weit schwingenden Röcken geprägt.

1920er
1940er
1950er
1960er
1970er
New Romance

 Brautkleider wurden noch kürzer, bevor die 80er Jahre schließlich im Zeichen der “neuen Romantik” standen: Brautmode wurde wieder länger, die Taille rückte in den Mittelpunkt und aufwendig bestickte Roben wurden Trend. Lady Diana legte hierfür bei ihrer Hochzeit mit Prinz Charles den Grundstein für die Gestaltung zahlreicher Hochzeitskleider, die auch zahlreiche Bräute aus Königshäusern und “Bürgerliche” nach ihr trugen. Farblich dominiert zwar in Europa nach wie vor das unschuldige Weiß, doch auch cremige Farbtöne wie Eierschale, Elfenbein oder Ecru werden immer beliebter. Wer an seinem großen Tag ganz besonders auffallen möchte, der entscheidet sich für ein Brautkleid mit farblichen Akzenten, die durch Spitzenborten, eine lange Schleppe oder Stickereien gesetzt werden.

 

Für die heutige Zeit gilt: erlaubt ist alles, was gefällt!